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Die Domowina in der DDR

Aufbau und Funktionsweise einer Minderheitenorganisation im staatlich-administrativen Sozialismus; Schriften des Sorbischen Instituts 51

Der Autor gibt mit seinem Buch einen tiefen Einblick in den organisatorischen Aufbau und die Tätigkeiten der leitenden Organe der Domowina zur Zeit der DDR. Im Mittelpunkt seiner Betrachtung stehen dabei die Beziehungen und Abhängigkeiten von der SED, von der sich die Domowina-Führung auch in der Wende-Zeit 1989 nicht zu lösen vermochte. Zahlreiche Analysen zur ethnischen und sozialen Struktur, der quantitative Entwicklung der Mitgliedschaft sowie Beispiele der Arbeit auf regionaler und lokaler Ebene dokumentieren die oft spannungsgeladene Geschichte der Domowina in dieser Epoche.


Beschreibung

Im Buch wird beschrieben, wie die Domowina unter doppeltem Legimitationszwang, als "sozialistische" und zugleich "nationale" Organisation versuchte im Rahmen des gesellschaftlichen Systems sorbische kulturelle und sprachliche Interessen zu formulieren und zu vertreten. In schulpolitischen Fragen in Widerspruch mit der Partei-Führung geraten, führte dies 1964 zu personellen Konsequenzen in der Leitung der Domowina. Seit Mitte der 70-er Jahre rückte die Erhaltung und Pflege der sorbischen Sprache in den Mittelpunkt, ihre Tätigkeit an der Mitgliederbasis war über weite Strecken vorwiegend von kulturellen Aktivitäten gekennzeichnet. Dies wurde seitens der SED genauso mit Misstrauen beobachtet, wie die Dialoge mit sorbischen Vertretern beider Kirchen in den ausgehenden 80-er Jahren.

Leseprobe

Die Übernahme der „Kommandozentralen“ durch von der SED bestimmte Führungskräfte erfolgte schrittweise. Eine Schlüsselstellung wurde hierbei Kurt Krjeńc zuteil, der als Sekretär für sorbische Angelegenheiten in der SED-Regionalleitung Bautzen fungierte und an den entscheidenden Beratungen mit dem Parteivorstand im Herbst 1947 und der Erarbeitung des Sorbengesetzes im Frühjahr 1948 beteiligt war. Im Februar 1948 wurde Krjeńc als Mitglied und Verantwortlicher für „politische Schulung“ in den Vorstand der Domowina aufgenommen. Im selben Jahr wurde er stellvertretender Leiter des im Ergebnis des Sorbengesetzes gegründeten sorbischen Kultur- und Volksbildungsamts, dem Pawoł Nedo vorstand. Mit dem Besuch der Parteihochschule in Kleinmachnow 1949/50 erhielt er die politische Schulung, um die Leitung der sorbischen Bewegung zu übernehmen. „Als ich am 25. 5. 1950 meinen 9-monatigen Lehrgang an der Parteihochschule beendet hatte, bekam ich den Parteiauftrag, innerhalb der sorbischen Bewegung zu arbeiten, und zwar mit der Perspektive, die Leitung der gesamten sorbischen Bewegung zu übernehmen. […] Meine erste Aufgabe sah ich darin, in die maßgebenden Funktionen der Domowina gute Genossen einzubauen und die kleinbürgerlichen Elemente zu entfernen. Mit Hilfe unserer Partei ist das gelungen. Trotzdem diese Elemente mit allen Mitteln versuchten, die sorbische Bevölkerung aufzuwiegeln, ging diese mit uns. Das kam zum Ausdruck in der am 27. 12. 50 durchgeführten außerordentlichen Bundeskonferenz, wo ich durch die Delegierten einstimmig zum kommissarischen 1. Vorsitzenden gewählt wurde.“

Zusatzinformation

ISBN 978-3-7420-2176-2
Sprache des Artikels Deutsch
Bibliografische Angaben 2010
255 S., Broschur

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Beschreibung

Im Buch wird beschrieben, wie die Domowina unter doppeltem Legimitationszwang, als "sozialistische" und zugleich "nationale" Organisation versuchte im Rahmen des gesellschaftlichen Systems sorbische kulturelle und sprachliche Interessen zu formulieren und zu vertreten. In schulpolitischen Fragen in Widerspruch mit der Partei-Führung geraten, führte dies 1964 zu personellen Konsequenzen in der Leitung der Domowina. Seit Mitte der 70-er Jahre rückte die Erhaltung und Pflege der sorbischen Sprache in den Mittelpunkt, ihre Tätigkeit an der Mitgliederbasis war über weite Strecken vorwiegend von kulturellen Aktivitäten gekennzeichnet. Dies wurde seitens der SED genauso mit Misstrauen beobachtet, wie die Dialoge mit sorbischen Vertretern beider Kirchen in den ausgehenden 80-er Jahren.

Leseprobe

Die Übernahme der „Kommandozentralen“ durch von der SED bestimmte Führungskräfte erfolgte schrittweise. Eine Schlüsselstellung wurde hierbei Kurt Krjeńc zuteil, der als Sekretär für sorbische Angelegenheiten in der SED-Regionalleitung Bautzen fungierte und an den entscheidenden Beratungen mit dem Parteivorstand im Herbst 1947 und der Erarbeitung des Sorbengesetzes im Frühjahr 1948 beteiligt war. Im Februar 1948 wurde Krjeńc als Mitglied und Verantwortlicher für „politische Schulung“ in den Vorstand der Domowina aufgenommen. Im selben Jahr wurde er stellvertretender Leiter des im Ergebnis des Sorbengesetzes gegründeten sorbischen Kultur- und Volksbildungsamts, dem Pawoł Nedo vorstand. Mit dem Besuch der Parteihochschule in Kleinmachnow 1949/50 erhielt er die politische Schulung, um die Leitung der sorbischen Bewegung zu übernehmen. „Als ich am 25. 5. 1950 meinen 9-monatigen Lehrgang an der Parteihochschule beendet hatte, bekam ich den Parteiauftrag, innerhalb der sorbischen Bewegung zu arbeiten, und zwar mit der Perspektive, die Leitung der gesamten sorbischen Bewegung zu übernehmen. […] Meine erste Aufgabe sah ich darin, in die maßgebenden Funktionen der Domowina gute Genossen einzubauen und die kleinbürgerlichen Elemente zu entfernen. Mit Hilfe unserer Partei ist das gelungen. Trotzdem diese Elemente mit allen Mitteln versuchten, die sorbische Bevölkerung aufzuwiegeln, ging diese mit uns. Das kam zum Ausdruck in der am 27. 12. 50 durchgeführten außerordentlichen Bundeskonferenz, wo ich durch die Delegierten einstimmig zum kommissarischen 1. Vorsitzenden gewählt wurde.“

Zusatzinformation

ISBN 978-3-7420-2176-2
Sprache des Artikels Deutsch
Bibliografische Angaben 2010
255 S., Broschur