Kito Lorenc; Reihe »Die sorbische Bibliothek« 2009 151 S., Hardcover mit Schutzumschlag" />
Im Fieber (Jakub Bart-Ćišinski)

Jakub Bart-Ćišinski

Im Fieber

Gedichte, aus dem Obersorbischen von Peter Thiemann, Albert Wawrik und Kito Lorenc; Reihe »Die sorbische Bibliothek«

2009
151 S., Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-7420-2049-9

Rubrik: Belletristik

Thema: Die sorbische Bibliothek

Sprache: deutsch

Preis: 16,90 €in den Warenkorb 
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Jakub Bart-Ćišinski (1856–1909) gilt als der sorbische Klassiker schlechthin. Als selbstbewusster und streitbarer Dichter setzte er sich für seine Poesie ein hohes Ziel: mit ihr der sorbischen Literatur eine neue ästhetische Qualität zu bringen, die im zeitgenössischen europäischen literarischen Kontext Bestand haben würde. Dieser Band zeigt weniger den ikonisierten Nationaldichter, sondern macht an den Gedichten sein persönliches Drama, seine innere Zerrissenheit, die Einsamkeit und Verbitterung des zu Lebzeiten nur wenig Verstandenen sichtbar.

„Die formale Präzision, die lautliche Gestaltungskraft und der in der Gesamtschau erstaunliche Bilderreichtum blieben über Jahrzehnte unerreicht.“ (Christian Prunitsch)

Leseproben

DAS UNGEHEUER

Es ist nicht wesenhaft, doch auch kein Schleier
des Nebels nur; obgleich es ohne Hände,
zerstört es Haus und Hof, entfacht es Brände,
und ohne Krallen reißt es wie der Geier.

Es sitzt bei Namenstag und Totenfeier
zu Tisch und findet sich durch Tor und Wände,
darauf bedacht, daß Mensch und Werk es schände;
es schont des Sängers nicht und nicht der Leier.

Verhasst ist ihm das Licht, es hat zur Amme
die Lüge stets, die Missgunst zum Betreuer,
und nur bei Nacht verstreut es seinen Samen.

Jedoch gedeiht und wächst es gut im Schlamme
und stirbt nicht aus. Wie heißt das Ungeheuer?
Verleumdung nennt man es mit rechtem Namen.

HUNDE, HUNDE

Hunde, Hunde überall,
Tag und Nacht nur Hunde, Hunde.
Hunde nicht aus meinem Stall,
nicht mit meinem Fraß im Schlunde.

Hunde sind auf meiner Spur,
gleich, wo ich den Fuß hinrette,
Hunde noch, rund um die Uhr,
an, auf, unter meinem Bette.

Und kein Hund ist je zu sehn!
Doch man hat es in der Nase:
Aus den Teufelsschnauzen wehn
Faulgerüche wie von Aase.

Kein Gebell – das duckt aalglatt
sich mit eingekniffnen Schwänzen,
aber wie ein Feuerrad
geht das Aug den Pestilenzen.

Jeden Happen zählt mir das
in den Hals, das schnappt vom Munde
mir das Wort – und ich verlass
eben darauf mich, ihr Hunde!

Bellt Rapport ihr, fern vom Schuss,
warm geschmiegt auf Herrchens Schoße:
denkt an mich bei Bruderkuss,
Braten, Wein und schwarzer Soße!

Kuscht, schnappt zu, ihr Höllenbrut!
Lasst kein Stoßgebet euch schrecken!
Manches edle Satansblut
heulte, müsstet ihr verrecken.

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