Sagen aus Heide und Spreewald
Eine Auswahl; Auswahl, Bearbeitung und Nachwort Erich Schneider; Illustrationen; Einbandgestaltung Rolf Kuhrt
ISBN 978-3-7420-0079-8
Rubrik: Sprichwörter, Sagen und Volkslieder
Sprache: deutsch
Nicht nur Wassermann, Irrlichter und Mittagsfrau spuken durch die sagenhaften Geschichten des Erfolgstitels, welcher in 8., durchgesehener Auflage erschienen ist. Auch vom »Pesthügel bei Wittichenau«, vom »Schwurstein bei Müschen« oder von den »Steinkreuzen bei Schleife« ist die Rede. Vorliegende Sagensammlung führt den Leser, territorial und historisch, in das Gebiet der Niederlausitz zwischen Elbe und Oder, in das Flussgebiet der Spree und Neiße, wobei der Spreewald die Kernlandschaft bildet.
Mit einem Nachwort und einem Quellenverzeichnis versehen, bereitet das Buch nicht nur Lesefreude, sondern die Sagen haben auch kulturgeschichtlichen Wert.
Leseprobe
Zum Geleit
Dieses Buch enthält eine Sammlung von Sagen aus denjenigen historischen Gebieten der Lausitz, die ungefähr begrenzt sind von Neiße und Oder im Osten, der Schwarzen Elster im Westen und die im Norden noch über den Fläming ins Baruther Urstromtal hineinreichen. In der einst so weltfernen Stille der Kiefernwälder, auf der weiten Fläche karger, sandiger Feldbreiten oder im Grün des Bruchwaldes an den tausend Spreearmen verborgen, lagen die stillen Dörfer der meist sorbischen Bevölkerung. Die Umwelt bot den Menschen die Lebensgrundlage. Neben der eigentlichen Landwirtschaft, die durch die Fron für den Gutsherrn belastet war, lieferten der Wald mit Holzgewinnung, Köhlerei und Pechbrennerei und die zahlreichen Gewässer durch Fischzucht und Fischfang den notwendigen Lebensunterhalt. In dieser Welt der Stille formte sich die Weltanschauung der Menschen, die durch Überlieferung und die umgebende Natur wesentliche Impulse erhielt. Dort, wo das Wissen keine Antwort gab, setzte der Glaube ein und erklärte auf seine Weise geheimnisvolles Wirken der Naturkräfte in Wald und Wasser, Feld und Flur, Haus und Hof. Es entstand das weite Gebiet der Volkssage und der Volksdichtung. Die Natur wurde mit oft seltsamen Gestalten belebt, die dem Menschen teils freundschaftlich verbunden waren, oft aber feindlich gegenüberstanden. Und weil das karge Leben des Dörflers, gemessen am Reichtum des adligen Junkers, tausend Wünsche erweckte, die nie Erfüllung fanden, so verwoben sich Sehnsüchte und Träume, aber auch harte Kritik und Widerstandswille gegen die Unterdrücker in das Gespinst der Sage, die bei den Menschen des Feudalismus durchaus zum allgemeinen Glaubensgut gehörte. Daneben bahnte sich manche Persönlichkeit der Vergangenheit, die irgendwie erregend auf die Menschen wirkte, ihren Weg in das volkstümliche Erzählgut.
Schon im vergangenen Jahrhundert wurde erkannt, dass Sagen ein wertvolles Spiegelbild der Kultur und Geschichte darstellen, und ernsthafte Wissenschaftler begannen, sie zu sammeln und zu durchforschen. Heute sind uns Sagen nicht mehr Grundlagen unseres Weltbildes, sondern Zeugen der Volksdichtung und Lebenswelt vergangener Zeiten und erwecken so unser Interesse.
